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Die Renaissance der französischen Crémants

Jan 17, 2020 |
Crémant,  |
Gerhild Burkard

In Frankreich liegt die biologische Bewirtschaftung zertifizierter Betriebe bei der Crémantproduktion mittlerweile bei durchschnittlich ca. 10 Prozent: Im Elsass bei 15 Prozent, an der Loire jedoch unter fünf Prozent. Auch die großen Globalplayer, wie Wolfsberger, einer der drei größten Crémantproduzenten im Elsass, folgt dem Trend mit einer kleinen Auflage eines Biocrémants. Dieser geht bei einer Produktion von über 6 Mio. Flaschen pro Jahr allerdings eher unter.

In Frankreich liegt die biologische Bewirtschaftung zertifizierter Betriebe bei der Crémantproduktion mittlerweile bei durchschnittlich ca. 10 Prozent: Im Elsass bei 15 Prozent, an der Loire jedoch unter fünf Prozent. Auch die großen Globalplayer, wie Wolfsberger, einer der drei größten Crémantproduzenten im Elsass, folgt dem Trend mit einer kleinen Auflage eines Biocrémants. Dieser geht bei einer Produktion von über 6 Mio. Flaschen pro Jahr allerdings eher unter.

Begibt man sich in die Welt der Crémants, kann man schon einmal den Überblick verlieren. Denn es gibt nicht DIE Crémants-Region, wie es DIE Champagne gibt. Der oft gemachte Vergleich ist trotz vieler Verflechtungen nicht korrekt. Die Geschichte des Crémants ist die Geschichte der Schaumweine Frankreichs, den „Vins Mousseux“. Die wurden bereits im 19. Jahrhundert kommerziell hergestellt und verbreitet sich von hier über ganz Europa. Bis zur Bezeichnung AOC Crémant war es jedoch ein langer Weg. Erst Mitte der 70er tauchte der Begriff Crémant mit geschützter Herkunftsbezeichnung in Burgund, an der Loire und dann auch im Elsass auf. Ziel war es, sich von der Produktion der Massenschaumweinen, den „Vins Mosseux“, abzusetzen. Strenge gesetzliche Bestimmungen sichern die Qualität und regeln An- und Ausbau. Entscheidend für die Qualität ist die obligatorische Mindestlagerzeit des Crémants von 12 Monaten für die zweite Flaschengärung. Davon müssen mindestens neun Monate auf der Hefe verbleiben. Es ist die sogenannte „Méthode traditionelle“. Während dieser Zeit entstehen die Perlen in der Flasche. Die Aromen können sich voll zu feinduftigen Schaumweinen entwickeln.

„Schmecken Sie den Unterschied“, lautet aus diesem Grund auch das Motto von Oliver Sohler, Präsident der Féderation Nationale des Producteurs de Crémant. Denn die Crémantproduktion lebt von einer unglaublichen Vielfalt.

Als Appellation Origine Protégée, also Qualitätsschaumwein mit geschützter Herkunftsbezeichnung, findet man neben dem Elsass noch in sieben weiteren Weinregionen Frankreichs. Dazu gehören:  Bordeaux, Burgund, Die, Loire, Limoux, Jura und Savoie. Keine der Regionen ist mit der anderen vergleichbar. Die Terroireinflüsse wie Klima, Boden und Rebsorten könnten unterschiedlicher nicht sein.
Sie umfasst eine Fläche von über 11.000 Hektar mit mehr als 5000 Produzenten, die im Jahr 2018 ca. 83 Millionen Flaschen produzierten. Im Durchschnitt wird davon ca.20-50% exportiert.

Jede der acht Regionen baut Ihre eigene Rebsorte passend zum Terroir an, überwiegend Riesling und Pinot Gris im Elsass, Pinot Noir und Chardonnay in Burgund, Cabernet Franc und Chenin an der Loire und im Limoux, Sauvignon und Semillon in Bordeaux, Poulsard und Trousseau im Jura, Jacquère und Altesse im Savoie und in der nur 14 ha großen Appellation Die, den Clairette. Der Chardonnay findet sich immerhin in sechs Anbaugebieten.

Das Elsass, Burgund und die Loire haben zusätzlich zur Bezeichnung Crémant weitere Qualitätskriterien und Bezeichnungen für Spitzenprodukte der jeweiligen Produzenten festgelegt. Im Elsass wurde hier der Begriff Emotion, in Burgund Grand Eminent und Eminat, an der Loire Prestige de Loire eingeführt. Dabei sind Mindestlagerzeiten von 24 bzw. 36 Monaten „sur latte“ gefordert.

In Burgund, trifft man auf eine historisch gewachsene Produktion der Perlen. Bereits in den 40er Jahren wurde der Schaumwein unter „Vins Mousseux Bourgogne“ vermarket. Was unterscheidet diese Region nun von den anderen. Als Erstes sind es sicherlich die weitverbreiteten Anbaugebiete, die sich von der Côte Chalonnaise über die Côte d’Or bis ins Chablis ziehen und natürlich der Boden. „Eins haben unsere verschiedenen Anbaugebiete mit unterschiedlicher Ausprägung gemeinsam, den sehr kalkreichen Boden“, bestätigt Jean Musso, der im Hinterland der Côte Chalonnaise mit seiner Tochter Cecile das biologisch bewirtschafte Chateau Sassangy führt.
Fährt man hinunter ins Zentrum der Crémantproduktion nach Rully, führt der Weg zur heute noch als Familienbetrieb geführten Domaine Vitault-Alberti. Gerard Vitault, der Vater, der heutigen Besitzerin Agnes Vitault, war einer der Mitbegründer und Kämpfer für die 1975 eingeführte Appellation Crémant de Bourgogne.
Neben diesen verhältnismäßig kleinen Weingütern sind auch die Großproduzenten zu erwähnen, wie beispielsweise Bouillot und Veuve Ambal. Letzteres eines der ältesten Schaumweinhäuser Burgunds. Bereits 1888 wurden die „Vins Mousseux“ urkundlich genannt.

Die Loire zieht sich quer durch Frankreich bis zur Atlantikküste. Rund um den Fluss ist Weinbau tief und lange verwurzelt.
Ende des 18. Jahrhunderts begann hier die Produktion von Schaumweinen. Die nahe gelegene Champagne, die dafür schon lange bekannt war, diente als Vorbild.
Das gemäßigte Klima ist ideal. Kalkstein und Tuffsteinklippen geben den Weinen ihren besonderen mineralischen Charakter.
Von hier kommt eine Vielfalt von großartigen Schaumweinen, die gerade in Deutschland mit einem Absatz von 7 Mio., bei einer Gesamtproduktion von 17. Mio. Flaschen, viele Liebhaber finden.
Vor allem rund um Saumur und Tourraine entstand dank der hervorragenden Bedingungen ein Zentrum der Crémant-Herstellung. Hier bieten sich für den Schlösserbau genutzten Steinbrüche kilometerlange unterirdische Stollen optimale Lagerflächen für die Reifung der Cuvées an.

In Frankreich liegt die biologische Bewirtschaftung zertifizierter Betriebe bei der Crémantproduktion mittlerweile bei durchschnittlich ca. 10 Prozent: Im Elsass bei 15 Prozent, an der Loire jedoch unter fünf Prozent. Einige der großen Globalplayer folgen dem Trend mit einer kleinen Auflage von Biocrémants. Diese gehen in der Bilanz der Gesamtproduktion allerdings eher unter.

Die Qualitätsanstrengungen der Crémantproduktion zeigen spürbare Wirkung. Die nachwachsende Generation mit ihren neuen Ideen bürgt für eine Renaissance des Crémants. Begründet nicht nur durch ein vielfältiges und nuancenreichen Produkt sondern auch einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Cremants als Aperitif, als Digestiv, als Menübegleitung ist heute eine Selbstverständlichkeit. Stil- und geschmackssicher gilt Crémant als Highlight nicht nur bei festlichen Anlässen.

 

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Gerhild Burkard, Sommelière, Köln